10 Jahre Kampf für meine Ausstellung "Akt & Landschaft"
Als der größte Betrieb Potsdams für Maschinenbau von meinem Umzug hörte (ich hatte auf der Leipziger Messe einen Kalender gestaltet), wurde ich sofort gebucht. Als ich nach einem Jahr meinen Kontostand prüfte, konnte ich mir einen Mittelklassewagen in bar kaufen. Ich verdiente plötzlich mehr als das Zehnfache eines Bäckergesellen! Ich schuf mir ein modernes Labor, fertigte Farbbilder an, die zum Besten in der DDR gehörten, arbeitete für ein halbes Dutzend Schwerindustriebetriebe der TAKRAF-Gruppe, wurde vom Kulturbund mit der Schaffung und Leitung einer Farbkommission Fotografie betraut, wurde künstlerischer Leiter im Automobilwerk Ludwigsfelde, erhielt kurz nacheinander die Ehrennadel für Fotografie in Silber und Gold - und 1979 den internationalen Ehrentitel ARTISTE FIAP (AFIAP). Bei der 1.Tagung des Kulturbundes sprach der Gastredner und Vorsitzende des Potsdamer Journalistenverbandes die Hoffnung aus, mich bald als Mitglied in ihren Reihen begrüßen zu dürfen!!!

Das Fernsehen der DDR machte zwei Reportagen, von denen "Außenseiter-Spitzenreiter" in mehreren Jahren im Haupt-Abendprogramm zu Silvester gesendet wurde. Der Film zeigt mich als ständigen Eulenspiegelfotografen bei der Arbeit mit einem Aktmodell. Der zweite 15-minütige Film stand unter dem Titel: "Ein Mann, der Bilder fühlt."
Im Herbst 1974 fuhr ich den Vorsitzenden des Kulturbundes, Gerhard Stegelin, nach Hause und erzählte ihm unterwegs von meinem "zehn (!) Jahre alten Traum", eine Ausstellung namens AKT & LANDSCHAFT machen zu wollen. Insgeheim hatte ich einen zweiten Fotografen einbezogen, weil mir klar war, dass der Einzelne in der DDR nichts, das Kollektiv aber alles war.
Stegelin hörte begeistert zu und fragte: "Wer ist der Zweite?" Ich sagte: "Gerd Rattei aus Cottbus". Er meinte: "Ein guter Mann". Ich informierte ihn nun über Umfang, Art und Weise der Zusammenstellung, und er sicherte mir jede Unterstützung zu. Nun musste ich "nur" noch Gerd Rattei überzeugen. Telefonisch gelang es mir nicht, so dass ich nach Cottbus fuhr und alle Register meiner Überzeugungskraft zog, um sein Argument: "soooooviel Arbeit" zu entkräften. Ich machte ihm bewusst, dass es noch nie Gleichwertiges in unserem Land gab und wir mit dieser Ausstellung in die Analen der DDR-Geschichte eingehen würden. Das überzeugte ihn!
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