Bis zur 1. Ausstellung "Akt & Landschaft"
war es ein weiter Weg...
Der Funktionär sah mich wohlwollend an und meinte: "Herr Ender, bei all Ihrer Tüchtigkeit und all Ihrem Einsatz als Fotoclubleiter - den wir letztlich fördern, glauben Sie im Ernst daran, dass Sie mit Ihren nackten Ärschen den Sozialismus aufbauen helfen???"
Ich sagte: "Sicher nicht, aber irgendwann wird auch der letzte Funktionär begreifen, dass die Darstellung unseres Lebens nicht nur aus verherrlichter Arbeit bestehen kann, und eine rote Fahne kann ich neben meine Aktmodelle nun mal nicht setzen." "Mag sein" meinte er, "aber es bleibt bei einer Ablehnung!"
Am 10. Mai 1966 zog ich (mit 5 Koffern Besitz) ins Seebad Binz, wo meine freiberufliche Tätigkeit begann. Kein 10-Stunden-Tag mehr in Hitze und Staub, keine Nachtarbeit, kein Chef, keine Bevormundung - unendlich frei - wie kaum ein anderer Bürger der DDR.
Meine harsche Kritik vor dem Volkskammerausschuß 1965 in Sassnitz betreffs mangelnder Unterstützung brachte Versprechungen von allen Seiten. Passiert ist nichts...

Im Durchschnitt hatte ich jährlich 50 Modelle, denen ich auch heute noch dankbar bin, dass sie meine Arbeit unterstützten! Aus den "Nicht-mehr-10-Stunden-Tagen" und der Nicht-Bevormundung wurde zwar nichts, aber alles andere trat ein. Ich fotografierte an den schönen Tagen (meist splitter-nackt) am Strand. An Schlechtwetter-Tagen wurden Filme und Bilder entwickelt und Sendungen an die Redaktionen zusammengestellt.
1970 erschien im Fachbuchverlag Leipzig mein erster Buchtitel MEIN MODELL, der 5 Auflagen mit 96.000 Exemplaren erlebte. Die Zusammenarbeit mit Verlagen und Redaktionen hatte sich auf über 50 erhöht. Ich wurde Mitglied der Bezirkskommission Fotografie Rostock. Auf nationalen und internationalen Ausstellungen hatte ich zahlreiche Preise erhalten, darunter Ehrenurkunde und Ehrenmedaille der Internationalen Fotoschau der Ostseestaaten, Norwegens und Islands.
Wenn es darum ging, in westlichen Ländern das Ansehen der DDR zu festigen, orderte die Zentrale Kommission Fotografie der DDR immer öfter meine Arbeiten. Ob Kanada, Finnland oder Jugoslawien überall war ich vertreten.

Ging es um Ausstellungen innerhalb der DDR, wurden meine Akt- und Landschaftsaufnahmen ständig unterbewertet. Es gipfelte darin, dass anlässlich der 6. Deutschen Fotoschau die Fassade des Ausstellungszentrums am Berliner Fernsehturm mit zwei Fotos gestaltet wurde, die - mehrere Meter groß - über dem Eingang prangten. Eines war (wie üblich) ein Arbeiterporträt, das andere zeigte mein meist-publiziertes und ausgezeichnetes Aktbild "DIE WOGE" (s. www.klaus-ender.com/AKT & LANDSCHAFT Nr. 22).
Bei diesem Anblick dachte ich: "Endlich geschafft, dass mein Thema auch DDR-weit anerkannt wird". Fehlanzeige! Im dunkelsten und letzten Winkel der Ausstellung fand ich mein Bild. Es war wieder einmal benutzt worden, um Besucher anzuziehen - und andererseits, um den vielen angereisten Fotografen zu demonstrieren: Ausgezeichnet wird bei uns so etwas nicht!!!
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