ART PHOTO ARCHIV & VERLAG KLAUS ENDER
Inh. Gabriela Ender
Presseerklärung
zur Tätigkeit für den Staatssicherheitsdienst der DDR von Klaus Ender


Klaus Ender ist zu einer Zusammenarbeit erpresst worden. Ein Arbeitskollege hatte ihn an die Stasi verraten. Er wurde von dieser vor die Wahl gestellt: Zusammenarbeit oder mindestens fünf Jahre Zuchthaus und nie eine selbstständige Tätigkeit. Man gab ihm 48 Stunden Bedenkzeit.
Er entschloss sich gegen Zuchthaus.

Er versuchte, vor allem über korrupte Funktionäre zu berichten. In einigen Fällen konnte er Personen warnen, die "unangenehm auffielen", was auch für ihn ein Risiko darstellte. Sich der Zusammenarbeit entziehen, ohne selbst im Zuchthaus zu landen, konnte er nicht. Er ist nie in seinem beruflichen Fortkommen von der Stasi unterstützt worden.
Es wurde lediglich von ihr nicht behindert. Klaus Ender war ein Freigeist, der unter dem Druck dieses System stark ge-
litten hat. Nicht umsonst hatte er bereits 1957 und 1981 die DDR verlassen.

Ende der 1970er Jahre konnte er aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes diese Tätigkeit beenden (lt. Stasi "unrentable Ergebnisse"). Dazu kommt, dass über die gesamte Zeit auch über ihn massiv berichtet worden ist. Es liegen über 600 Seiten Stasi-Opfer-Akte über ihn vor. Er ist genauso ein Opfer dieses Systems. Als er 1981 nach Österreich übersiedelte, wurde er in der DDR zur Perona non grata, alle Hinweise in den Archiven auf ihn getilgt, Publikationen vom Markt genommen und der Film über ihn vernichtet.

Diese erzwungene Zusammenarbeit hatte ihn über all die Jahre stark belastet. Als er 2004 seine Autobiografie veröffentlichte, hat er diese Tätigkeit selbst öffentlich gemacht und ausführlich dazu Stellung genommen. Er stand dabei unter keinerlei öffentlichem Druck. Er strebte nie ein politisches Amt an, wo er möglicherweise überprüft worden wäre. Wahrscheinlich wüsste bis heute niemand davon. Es war ihm jedoch ein inneres Anliegen. Er hat dazu mehrfach in der Presse Stellung genommen und es wurde bei verschiedenen Ausstellungen darauf hingewiesen.

Es hat sich in all den Jahren bis zu seinem Tod 2021 nie jemand bei ihm gemeldet mit dem Vorwurf: "Wegen Ihnen habe ich im Gefängnis gesessen!" Es wäre für jeden Betroffenen ein Leichtes gewesen, sich an ihn zu wenden. Als öffentliche Person hätte man seine Kontaktdaten jederzeit ausfindig machen können. Er hätte sich bei jedem entschuldigt, nicht jedoch bei einer verlogenen Mehrheit, die kleine Informanten ächtet und in Scharen in die Lesungen zu Marcus Wolf rennt.
Als er 1984 erneut in die Fänge der Staatssicherheit geriet, informierte er den Bundesnachrichtendienst in Bayern, um mögliche Opfer in der BRD zu warnen. Ein Umstand der 1985 dazu führte, dass wir nicht mehr in die DDR einreisen konnten. Wie kann man sich deutlicher distanzieren?
Gerade der offene und ehrliche Umgang mit einer Geschichte, die er sich nie ausgesucht hatte, zeigt, dass ihm persönlich diese Aufarbeitung wichtig war. Solche Beispiele tragen zur Versöhnung bei und sollten das künstlerische Werk nicht in Frage stellen.

Ich hatte dazu auch Kontakt mit der SED-Opferbeauftragten in Berlin. So wurde bei der Reminiszenz anlässlich seines 85. Geburtstages 2024 in Bergen explizit nicht von der Ausstellung abgeraten, sondern lediglich gebeten, diesen Punkt zu thematisieren, was auch geschah.

Die allermeisten Menschen, die ihn in dieser Sache verurteilen, bleiben den Beweis, dass sie selbst "edler" gehandelt hätten, schuldig.

Gabriela Ender